Das Diak setzt neue Maßstäbe in der regionalen und überregionalen Gesundheitsversorgung.
Das interdisziplinäre Wirbelsäulenzentrum hat erfolgreich die anspruchsvolle Zertifizierung als „Wirbelsäulenspezialzentrum“ durch die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) durchlaufen. Die Gewichtung liegt auf den Gebieten: degenerative Erkrankungen (z.B. Bandscheibenvorfall) und Verletzungen. Das offizielle Qualitätssiegel bescheinigt dem frischgebackenen Zentrum eine exzellente Behandlungsqualität, höchste Patientensicherheit sowie eine moderne technische Infrastruktur auf internationalem Niveau.
Man musste bisher weit fahren, um das nächste Wirbelsäulenzentrum, beispielsweise im Großraum Stuttgart zu erreichen; insbesondere bei Unfallpatienten zählt häufig jede Sekunde, sodass ein weiter Transport nachteilig ist. Da ist diese Zertifizierung, die auch die Expertise bei Querschnitzverletzungen einschließt, eine große Verbesserung in der wohnortnahen Gesundheitsversorgung und auch darüber hinaus. Nur 8 Kliniken der 237 Krankenhäuser in Baden-Württemberg sind als Wirbelsäulenspezialzentrum zertifiziert, 3,4% entsprechend.
Für die Verleihung des Zertifikats unterzogen sich die Fachbereiche Unfallchirurgie und Neurochirurgie im Diak einem intensiven Prüfverfahren (Audit), das von einem unabhängigen und von der DWG beauftragten Institut durchgeführt wurde. Ein Dreivierteljahr haben sich die Abteilungen mit großem Engagement vorbereitet; eine Task Force wurde eingerichtet, um das Ziel zu erreichen.
Für die Zertifizierung wurden sämtliche Strukturen, Behandlungsabläufe sowie die personellen und apparativen Ausstattungen genauestens kontrolliert. Zu den zentralen Kriterien gehörten unter anderem die personelle Fachexpertise, die technische Ausstattung, die interdisziplinäre Kooperation und die Notfallbereitschaft (24/7). Auch die Transparenz und die kontinuierliche Verbesserung der Therapien sind ein wichtiger Baustein eines Wirbelsäulenspezial-zentrums: Jeder einzelne operativ versorgte Fall einer Wirbelsäulenerkrankung wird detailliert im Wirbelsäulenregister der DWG dokumentiert. Die Fälle werden dann in sogenannten „Komplikationsbesprechungen“ evaluiert, um damit eventuelles Verbesserungspotenzial zu identifizieren.
„Wir sind außerordentlich stolz auf diese Auszeichnung“, freut sich Prof. Dr. Stefan Huber-Wagner, Chefarzt der Unfall- und Wirbelsäulenchirurgie im Diak und Zentrumsleiter sowie Inhaber des DWG-Masterzertifikates. „Dahinter steckt das hohe Engagement des gesamten Teams, die exzellente interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine sehr lange Liste von zu erfüllenden Auflagen, Richtlinien und Kriterien. Das Verfahren hat unsere Leistungsfähigkeit weiter erhöht und nach vorne gebracht. Besonders stolz macht mich auch, dass wir nicht nur bestanden haben, sondern der Auditor unser neues Zentrum als „vorbildlich“ bezeichnet hat.
Das Zertifikat gibt den Patientinnen und Patienten die Gewissheit, dass sie bei uns nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, mit den sichersten Methoden und apparativ erstklassig behandelt werden.“
Auch die Klinikleitung betont die Bedeutung des Siegels für die Region: „Diese Zertifizierung stärkt den medizinischen Standort des Diak als Zentralversorger nachhaltig. Sie beweist, dass komplexe Eingriffe an der Wirbelsäule bei uns in den besten Händen liegen“, bekräftigt Geschäftsführer Werner Schmidt.
Ganzheitliche Versorgung im Fokus
Im zertifizierten Zentrum wird das gesamte Spektrum von degenerativen Erkrankungen (wie Bandscheibenvorfälle oder Spinalkanalstenosen) über alle Arten von Wirbelkörperfrakturen bis hin zu komplexen Tumorerkrankungen und Entzündungen behandelt. Dazu ist die Vernetzung mit internen hochspezialisierten Fachbereichen und externen Kooperationspartnern essenziell. Auch Netzwerke, wie das TraumaNetzwerk, dem das Diak als überregionales Traumazentrum angehört, sind eine günstige Voraussetzung für diese Zertifizierung. Ein besonderer Fokus liegt bei der Wahl der Therapie auf dem Einsatz minimalinvasiver, mikroskopischer Operationsverfahren, die eine schnellere Genesung ermöglichen. Auch die Patienten des bereits bestehenden Alterstraumazentrums profitieren von dem neuen Zertifikat.
Ein paar Daten und Fakten
Mindestens 300 operative Eingriffe an der Wirbelsäule pro Jahr muss ein Wirbelsäulenspezialzentrum durchführen. Am Diak sind es pro Jahr knapp 600. Die notwendigen diagnostischen und therapeutischen Kompetenzen müssen 24/7 verfügbar sein. Die Möglichkeit für Notfalleingriffe an der Wirbelsäule muss 24/7 bestehen. Mindestens 2x jährlich findet eine interdisziplinäre Konferenz, inklusive Fallbesprechungen statt. Für alle relevanten und häufigen Krankheitsbilder gibt es eine SOP (standard operating procedure), d.h. einen festgelegten Behandlungsablauf.
Mit dem seit 2022 implementierten voll ausgestatten und hochmodernen robotischen 3D-Hybrid OP verfügt das Diak darüberhinaus über eine den allerhöchsten medizintechnischen Ansprüchen genügende Ausstattung. In der Robotik Suite wurden bereits mehr als 460 Patienten erfolgreich operiert.
Das Wirbelsäulenspezialzentrum beteiligt sich mit wissenschaftlichen Publikationen und Vorträgen auf nationalen und internationalen Kongressen auch an der Forschung in diesem Gebiet. Alle 2 Jahre erfolgt ein Zwischenaudit und alle 4 Jahre ein komplettes Zertifizierungresaudit.
Foto: Stolz wird das neue Zertifikat des Diak als „Wirbelsäulenspezialzentrum“ der Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) vom Klinischer Direktor Thomas Grumann präsentiert. Ferner abgebildet die Zentrumsleiter Prof. Dr. Stefan Huber-Wagner, Dr. Thorsten Enk, Dr. Friedemann Meiswinkel und Dr. Andreas Wloch sowie Frau Heidrun Isenmann, Leitung Organisationsentwicklung und Qualitätsmanagement.