Team der Handchirurgie im Diak rettet abgetrennte Daumenkuppe

Diak Klinikum Schwäbisch Hall – Ein außergewöhnlicher medizinischer Erfolg in der vergangenen Woche unterstreicht die Bedeutung der spezialisierten handchirurgischen Versorgung in der Region. Dem handchirurgischen Team im Diak ist es gelungen, die komplett abgetrennte Kuppe des linken Daumens erfolgreich zu replantieren.

Sabine Weinbergers Leidenschaft ist ihr Garten und sie verbringt ihre Freizeit gerne mit Gartenarbeit. Im Nachhinein kann sie nicht genau sagen, wie es zu der schweren Verletzung kam. Sie erinnert sich noch, dass sie Disteln abschneiden wollte und eine Sekunde später hatte sie sich mit der Akku-Astschere die Kuppe ihres Daumens abgetrennt. Nahezu vollständig, die Kuppe hing nur noch an einem sehr kleinen Hautfetzen. Sabine Weinberger ist im Diak Klinikum beschäftigt und lässt sich geistesgegenwärtig in die dortige Notaufnahme fahren. Dann ging alles sehr schnell. Zum Glück im Unglück waren der Leitende Oberarzt Dr. Clemens Zeyer und Oberarzt René Traa, beide Handchirurgen, im Dienst. 

Die Patientin ist glücklich und äußert sich dankbar: „Ich weiß, dass mich die Möglichkeit einer hochqualifizierten handchirurgischen Versorgung im Diak vor vielen privaten und beruflichen Einschränkungen für mein weiteres Leben bewahrt hat.“

Die Besonderheit des Eingriffs lag in der extrem distalen, d.h. körperfernen Lage der Verletzung. In diesem Bereich sind die Blutgefäße winzig. Die Rettung des Gewebes erforderte daher höchste mikrochirurgische Präzision. Es kam die sogenannte Supramikrochirurgie (sehr feine OP-Technik, um winzige Blutgefäße und Lymphgefäße zu verbinden) zum Einsatz. Unter einem Operationsmikroskop mit 40-facher Vergrößerung gelang es den Spezialisten, ein winziges Blutgefäß mit einem extrem feinen Faden (zu vergleichen mit einem Haar) wieder zu verbinden und die Durchblutung so wiederherzustellen.

„Solche hochkomplexen Eingriffe gehören zu den technisch anspruchsvollsten Verfahren der modernen Handchirurgie und werden deutschlandweit nur an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt. Dass diese Versorgung vor Ort im Diak möglich ist, belegt die hohe fachliche Expertise und langjährige Erfahrung des Teams“, äußern sich Chefarzt Dr. Florian Schober und Leitender Oberarzt Dr. Clemens Zeyher mit Stolz auf ihr Team.

Wohnortnahe handchirurgische Kompetenz und Versorgung unter wirtschaftlichem Druck

Für Patientinnen und Patienten in einem Umkreis von rund 100 Kilometern bietet das Diak eine unverzichtbare Anlaufstelle, um schwerste Handverletzungen ohne Zeitverlust behandeln zu lassen. Ohne diese Struktur müssten Betroffene in weit entfernte Universitätskliniken transportiert werden und das stellt ein Risiko für den Behandlungserfolg dar.

Genau diese essenzielle Versorgungsstruktur steht jedoch zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Geschäftsführer Werner Schmidt erklärt zur finanziellen Situation: „Die fortschreitende Ambulantisierung im Gesundheitswesen führt in der Handchirurgie bei vielen komplexen Leistungen zu einer unzureichenden Erlössituation. Dies gefährdet nicht nur die aktuelle Akutversorgung, sondern langfristig auch die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses. Fällt die wirtschaftliche Basis für komplexe Eingriffe an regionalen Standorten weg, bricht auch die praktische Weiterbildung der nächsten Generation weg.

Der aktuelle Fall zeigt eindrücklich, was moderne Handchirurgie leisten kann. Er führt uns vor Augen, wie dringend notwendig es ist, diese Kompetenzen und Strukturen zu erhalten und für die Zukunft der ländlichen Versorgung zu sichern.“

 

Foto (vlnr): Dr. Clemens Zeyher, Sabine Weinberger, René Traa, Dr. Florian Schober

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