„Es hat uns einfach gefehlt“, sagt Dr. Sybille Dikic, Oberärztin in der Klinik für Neurologie und Gerontoneurologie am Diak Klinikum in Schwäbisch Hall, und meint damit ein MZEB, ein Medizinisches Zentrum für Erwachsene mit Behinderung. Wenn sie auf die Möglichkeiten der medizinischen Betreuung dieser Menschen in der Region schaut, sieht sie Verbesserungsbedarf und deshalb ist sie aktiv geworden. Die Medizinerin, die Mutter einer Tochter mit Downsyndrom ist, hat mit großem persönlichem Einsatz ein MZEB am Diak Klinikum etabliert. „Möglich war dies nur aufgrund der Unterstützung meines Chefarztes Professor Dr. Benjamin Knier und der aktuellen Geschäftsführung“, betont die Ärztlich Leiterin der neuen Einrichtung.
Die Grundlage für Medizinische Zentren für Erwachsene mit Behinderung wurde bereits 2015 im Sozialgesetzbuch im Paragraph 119c geschaffen. Damit besteht die Möglichkeit einer ambulanten interdisziplinären Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderung in Ergänzung zur Regelversorgung. Für Kinder gibt es bereits seit 1968 die sogenannten sozialpädiatrischen Zentren (SPZ), die eine interdisziplinäre Behandlung unter behinderungsspezifischen Aspekten ermöglichen.
Doch mit dem 18. Lebensjahr endet diese Form der gesundheitlichen Versorgung. Diese Versorgungslücke ist mit der Möglichkeit der MZEBs geschlossen worden. Dennoch geht der Aufbau eines flächendeckenden Netzes solcher Zentren in Deutschland nur schleppend voran. Derzeit gibt es um die 70 MZEBs in Deutschland, für ihre Einrichtung werden oft Jahre benötigt, wurde vor einiger Zeit im „Deutschen Ärzteblatt“ kritisiert. Umso mehr freuen sich alle Beteiligten im Diak Klinikum, dass das Zentrum in der Klinik für Neurologie und Gerontoneurologie seit April aktiv ist. „Schwäbisch Hall hat nun etwas, was in der Region einmalig ist, ein MZEB“, hebt Initiatorin Dikic hervor.
Das MZEB, darauf legt seine ärztliche Leiterin größten Wert, ergänzt das Angebot der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Für Dikic steht außer Zweifel, dass sehr viele Menschen mit Behinderung im Landkreis hervorragend ambulant hausärztlich und fachärztlich versorgt sind. Es gebe aber erwachsene Patientinnen und Patienten, die wegen Art, Schwere oder Komplexität ihrer Behinderung, eine interdisziplinär angelegte Diagnostik mit ausreichend zeitlichen und fachlichen Ressourcen benötigen und für genau diese Patientengruppe ist das MZEB nun da. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf die großen Behinderteneinrichtungen in der Region wie Diakoneo Sonnenhof, Weckelweiler Gemeinschaften, Samariterstift, Lebenswerkstatt für Menschen mit Behinderung, aber auch auf viele Menschen mit Behinderung, die im häuslichen Umfeld leben.
Die Behandlung erfolgt in einem Team, das neben ärztlichen- auch pflegerische-, physiotherapeutische-, ergotherapeutische-, logopädische-, psychologische- und psychosoziale Leistungen umfasst. Schwerpunktmäßig werden neurologische Erkrankungen wie schwer einstellbare Epilepsien, aber auch die Abklärung von unklaren Schmerzen, unklaren Gangstörungen, unklare Verhaltensstörungen und Demenzen behandelt. Geplant ist zudem eine Spastiksprechstunde mit Botulinumtoxintherapie.
Laut Dr. Dikic ist das MZEB auch für Menschen mit erworbener Behinderung, wie bei einer schweren Spastik nach Schlaganfall oder eine hypoxischen Hirnschädigung Ansprechpartner. Angesichts des großen Leistungsspektrums der neuen Einrichtung steht für Werner Schmidt, Geschäftsführer der Kliniken des Landkreises, fest: „Das MZEB ist ein weiterer Beweis für die Leistungsfähigkeit des Diak Klinikums und zeigt, dass wir alle Menschen, die medizinische Hilfe benötigen, im Blick haben“.
INFO: Zugangsvoraussetzungen zum MZEB sind neben dem vollendeten 18. Lebensjahr ein Schwerbehindertenausweis und die Überweisung eines Haus- oder Facharztes, beziehungsweise des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ), das in der Diak-Klinik für Kinder und Jugendliche angesiedelt ist. Das MZEB ist unter Telefon 0791/753-3030 zu erreichen, und per Mail: mzeb@diak-klinikum.de
Bildunterschrift:Bernhard Silberzahn, der erste MZEB-Patient im Haller Diak Klinikum, Dr. Sybille Dikic, Ärztliche Leiterin des MZEB, Andrea Reber, Leiterin der neurologischen Funktionsdiagnostik und Physiotherapeutin Britta Kriegel (von links). Foto: Diak Klinikum