Kreiszeitungen / 31.12.2025
Am Schwäbisch Haller Diak-Klinikum dürfen auch künftig kleinste Frühgeborene behandelt werden. Das Perinatalzentrum erhält für mindestens ein weiteres Jahr eine Ausnahmegenehmigung, berichtete Monika Everling im Haller Tagblatt, Hohenloher Tagblatt und der Rundschau Gaildorf am 31. Dezember. Grundlage war eine Presseinformation des Diak Klinikums Landkreis Schwäbisch Hall.
Vom Gemeinsamen Bundesausschuss wurde festgelegt, dass Frühchen unter 1.250 Gramm nur in Kinderkliniken mit jährlich 25 solcher Geburten zulässig sind. Nur dann sei eine bestmögliche Betreuung von diesen Winzlingen sicher, deren Leben am seidenen Faden hängt, auch wenn die notwendigen Geräte vorhanden sind und auch das Klinikpersonal genügend Erfahrung in diesem kritischen Bereich hat. In Diak Schwäbisch Hall waren es in früheren Jahren nur 17 Frühgeborene mit weniger als 1250 Gramm. Im vergangenen Jahr waren es 21, also noch immer nicht die geforderte Mindestzahl. Deshalb war bis zuletzt in der Schwebe, ob die Ausnahmegenehmigung, die am heutigen Silvestertag ausläuft, verlängert wird. Nun aber ist die erlösende Nachricht da: Es wurde eine neue Ausnahmegenehmigung erteilt, die allerdings zum 31. Dezember 2026 wieder ausläuft.
Dass es zunächst weitergehen kann, ist auch der Unterstützung durch Landesgesundheitsminister Manfred Lucha zu verdanken. Dieser hat vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Festlegung der Mindest-Fallzahl geklagt. Und da über diese Klage noch nicht entschieden ist, sollen auch in Schwäbisch Hall keine vorzeitigen Fakten geschaffen werden. Deshalb hat das Gesundheitsministerium mit den Krankenkassen verhandelt und nun die weitere Ausnahmegenehmigung erwirkt.
Ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung darüber war, dass das Haller Diak-Klinikum einen großen Einzugsbereich abdeckt. Hätte es seinen Level-1-Standard verloren, so hätten frühgeborene Babys nach Heilbronn, Stuttgart, Ulm oder Würzburg transportiert werden müssen – und das hätte für sie ein sehr hohes Risiko bedeutet. Zudem ist natürlich für die Eltern, die bei der Geburt eines so kleinen Kindes ohnehin großen Belastungen ausgesetzt sind, eine wohnortnahe Versorgung wichtig.
Die Entscheidung fiel in letzter Minute: Am 22. Dezember haben die Krankenkassen dem Ministerium ihre Zustimmung mitgeteilt, und das Regierungspräsidium Stuttgart musste daraus noch amtliche Dokumente stricken. Die liegen seit gestern vor. In verklausuliertem Beamtendeutsch heißt es da: „Im Wege einer Ausnahmeregelung (...) kann die für die Krankenhausplanung zuständige Behörde die Nichtanwendung der Mindestmenge sowie des Vergütungswegfalls bestimmen, wenn andernfalls die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung gefährdet wäre.“ Argumentiert wird also mit dem „großflächigen Versorgungsraum“ und mit den längeren Anfahrts- und Rettungszeiten, die zu einer Gefährdung der Frühgeborenen führen könnten.
Das Diak-Klinikum hatte gegenüber dem Ministerium die Prognose gestellt, es könne im Jahr 2026 die geforderte Fallzahl von 25 erreichen. Das glauben die Verantwortlichen im Ministerium nicht, hat aber die Ausnahmegenehmigung trotzdem erteilt und dies so begründet: „Die Gefährdung der Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung stellt ein besonderes öffentliches Vollzugsinteresse dar.“ Zu Deutsch heißt das: Die Level-1-Frühchenstation im Diak-Klinikum ist einfach nötig, weil andere entsprechende Krankenhäuser erstens weit weg sind. Dass außerdem gar nicht klar ist, ob sie überhaupt freie Kapazitäten hätten, wird in dem Schreiben vom Regierungspräsidium nicht erwähnt.
Erleichterung bei Kreis und Diak
Die Schwäbisch Haller Landkreisverwaltung und die Klinikleitung sind sehr erleichtert, dass es nun mit der Betreuung Frühgeborener in allen Versorgungsstufen weitergehen kann. „Außer der im ländlichen Raum schwierig zu erreichenden Mindestmenge erfüllt das Diak-Klinikum Landkreis Schwäbisch Hall alle qualitativen Voraussetzungen für die Versorgung der Frühchen unter 1250 Gramm Geburtsgewicht. Eine schnelle Erreichbarkeit des Perinatalzentrums kann im Notfall entscheidend sein und eine ortsnahe Versorgung der frühgeborenen Kinder ist für die (...) Familienangehörigen eine große Erleichterung“, schreibt Landrat Gerhard Bauer in einer Pressemitteilung.
Hoffnung auf Stetigkeit
Die Ärzteschaft und die Pflegekräfte in der Kinderklinik und Geburtshilfe im Schwäbisch Haller Diak sind ebenfalls sehr dankbar für die Entscheidung. Man wünsche sich, dass die Frühchenversorgung im Diak künftig nicht mehr jedes Jahr infrage gestellt wird, schreibt Diak-Geschäftsführer Werner Schmidt.
Und Landrat Gerhard Bauer schließt sein Schreiben mit dem Satz: „Vielen Dank auch für den Einsatz der Diak-Geschäftsführung und von Herrn Professor Dr. Andreas Holzinger (Chefarzt der Kinderklinik, Anm.) sowie für die begleitende Unterstützung durch den Förderverein der Kinderklinik mit Frau Isabell Rathgeb an der Spitze.“